Apotheken-Notdienst nochmal Thema

Lange Wege und Zeitaufwand nicht nur Butzbacher Problem / Fernsehen berichtet

OLYMPUS DIGITAL CAMERAUnter Berufung auf die Gesetzeslage und die Rechtsprechung hat die Landesapothekerkammer im vergangenen Jahr eine Neuregelung des Apotheken-Notdienstes für die Öffnung von Butzbacher Apotheken abgelehnt. Doch der Seniorenbeirat der Stadt Butzbach gibt bei dem Thema noch nicht auf. Ein Team des HR-Fernsehens befragte Seniorenbeirats-Vorsitzende Hildegard Wodni, Beirats-Mitglied Dr. Christoph Bindhardt und Hanne Scholz, eine der Initiatorinnen der Unterschriftensammlung für eine Butzbacher Notfall-Regelung.

Am kommenden Sonntag ab 18.00 Uhr, läuft voraussichtlich der entsprechende Beitrag von HR- Mitarbeiterin Katja Sodomann im dritten Programm in der Sendung ,,Defacto“. Butzbach dient darin als Beispiel für kilometerlange zeitaufwendige Anfahrten zu Notdienst-Apotheken, weil es in der Stadt ein so großes Engagement zu diesem Thema gibt. Das Magazin geht aber auch auf Landstriche ein, in denen die Situation noch düsterer ist, zum Beispiel die Rhön oder den Vogelsberg.

Im Gespräch mit der BZ wiesen vorab die Senioren darauf hin, dass die Entfernung der Notdienst-Apotheken ,, immer mal wieder“ Thema im Seniorenbeirat gewesen seien. Bindhardt habe als Vorsitzender bereits im Jahr 2005 auf die  Situation aufmerksam gemacht. Bis dahin habe es immer eine offene Apotheke in Butzbach gegeben, ,, rund um die Uhr“. Resonanz habe er daraufhin keine erhalten, während dann im Laufe des Jahres 2006 die UWG eine politische  Initiative  gestartet habe, allerdings ohne Erfolg. Im Jahr 2011 habe sich auch die Landesseniorenvertretung für die bessere Versorgung stark gemacht. Doch alle Anträge seien abgeschmettert worden.

Im vergangenen Jahr nahm die Diskussion dann wieder Fahrt auf, Betroffene äußerten sich in Leserbriefen, der Seniorenbeirat übernahm die Organisation einer Unterschriftensammlung. 1000 Menschen aus der Stadt Butzbach aber zum Beispiel auch aus Espa schlossen sich an und  unterzeichneten das Papier mit dem Wunsch nach einem speziellen Notdienst für Butzbach. Die Stadtverordnetenversammlung schloss sich an und reichte die Liste über Stadtverordnetenvorsteher Dr. Mathias Görlach weiter. Erneut ohne Erfolg, ebenso wie zwischenzeitliche  Bemühungen  von Landtagspräsident Norbert Kartmann.

Seit dem 1. Januar 2012 gibt es in der Stadt auch keinen eigenen ärztlichen Notdienst am Wochenende. Dieser wurde nach Bad Nauheim verlegt. Eine weitere Einbuße  an Lebensqualität.

Mitunter ,,enorme Wege“ müssten die Butzbacher aus den Stadtteilen zurücklegen , wenn sie zur nächstgelegenen „Notdienst-Apotheke fahren wollten. Von Bodenrod  nach Friedberg,  das zum Apotheken-Bezirk gehört, seien es zum Beispiel 33 Kilometer, rechnete Wodni vor. Außer der Länge der Strecke sei es vor allem die Zeit, die der Patient oder ein Angehöriger benötige, um die notwendigen Medikamente zu besorgen. Im Winter habe ein Vater bei Schnee und Eis anderthalb Stunden von Nieder-Weisel nach Bad Nauheim und zurück benötigt- entsprechende Sorgen machten sich die Angehörigen. Auch den Schwerkranken, der ein Rezept, vom Notarzt erhielt, möglicherweise für eine Stunde alleine zu lassen, sei eine große Belastung für die Betroffenen.

,,Problematisch wird es immer für jene, die nicht mobil sind“, waren sich die Senioren einig. ,,Den Nachbarn fragt man vielleicht einmal“, beim zweiten Mal habe man dann schon eine gewisse Scheu.

Der Seniorenbeirat hatte nach der ablehnenden Antwort der Apothekerkammer mit Verweis auf die Rechtslage die Angelegenheit zunächst abgehakt. Einzig, so Binhardt, könne man nun, nachdem die Regierung in Wiesbaden gebildet sei, einen neuen Versuch beim Sozialministerium starten. Vielleicht könnte man dort eine bessere Auslegung  der Bundesgesetze erreichen.

 

Quelle Butzbacher Zeitung v. 21.02.2014